18. Oktober 2010

Ärgerliche Analysen von Studenten zum Thema Social Media bei Politikern

Gelegentlich erhalte ich fertige Bachelor-Arbeiten von Studenten, die die Social Media-Aktivitäten von Kristina Schröder analysieren. Die eingesetzten Methoden finde ich jedoch teilweise ärgerlich.

Seit Anfang 2009 setzt die Bundesministerin Kristina Schröder unterschiedliche Social Media-Plattformen ein, um über ihre Arbeit im Wahlkreis, im Bundestag und mittlerweile auch im Ministerium zu berichten. In der letzten Zeit gab es nun mehrere Anfragen durch Studenten, die im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Social Media im Umfeld der Politik und dabei auch die Aktivitäten von Kristina Schröder genauer analysieren möchten.

Aufgrund meiner kurzen Zusammenfassung, die ich vor ein paar Monaten hier auf der Website publiziert habe, sprechen mich auch ein paar Studenten direkt an oder werden auch durch Frau Schröder an mich verwiesen. Ich persönlich finde solche Anfragen immer recht spannend, da man so mitbekommt, in welche Richtung die universitäre Forschung gerade geht. Gelegentlich bekomme ich auch die fertige Arbeit zugeschickt, was - sofern sie gut geschrieben - das ganze noch interessanter macht.

Vor kurzem bekam ich wieder eine Arbeit zugeschickt und zum wiederholten Male ist mir aufgefallen, dass viele Studenten regelmäßig einen grundsätzlichen Denkfehler in ihrer Analyse begehen: sie vergleichen nur die absolute Zahlen miteinander.

In der zuletzt zugeschickten Arbeit ging es beispielsweise darum, dass Frau Schröder kurz vor der Bundespräsidentenwahl bei Facebook dazu aufgerufen hatte, Fan von Christian Wulff zu werden. Von den 5.000 eigenen Freunden hätten jedoch nur 40 Personen die Statusmeldung kommentiert und davon wären sogar über die Hälfte aller Kommentare noch pro Gauck gewesen. Fazit des Studenten war somit, dass Kristina Schröder das Potenzial von Social Media überschätzt und dabei sogar ihrer Freunde falsch einschätzt.

Das sehe ich völlig anders - und bei diesem Beispiel ganz besonders. Schließlich handelt es sich hier um einen Aufruf, eine gezielte Aktion bei Facebook zu tätigen. Das Fan-Werden ist meiner Meinung nach als positiver Kommentar zu verstehen und daher finde ich es auch recht verständlich, dass beim Aufruf selbst eher kritische Kommentare bzw. Kommentare pro Gauck zu finden waren. Wie sollte man sonst bei Facebook zeigen, dass man diesem Aufruf nicht folgen will, weil man eine andere Meinung vertritt?

Leider habe ich genauen Zahlen von damals nicht mehr im Kopf, aber ich kann mir sehr gut erinnern, dass die Anzahl der Fans von Christian Wulff nach dem Aufruf von Kristina Schröder merklich nach oben gegangen sind. Ich meine, die Zahl erhöhte sich innerhalb von 24 Stunden von 2.000 auf gut 3.000 Fans. Wobei sicherlich nicht alle neuen Fans allein durch den Aufruf zustande gekommen sind. Wenn man aber bedenkt, dass heute die Fan-Seite immer noch nur 6.600 Fans hat, war der Zuwachs an diesem einen Tag durchaus überproportional gewesen.

Auch bei normalen Statusmeldungen, die keinen direkten Aufruf enthalten, wäre ich vorsichtig, den Erfolg der Meldung nur an der Anzahl von Kommentaren oder "Gefällt mir" zu messen. Kommentare sind durchaus wichtig und stellen oft auch eine wunderbare Ergänzung zur Meldung dar. Und natürlich sind sie zusammen mit den "Gefällt mir"s ein erstes Anzeichen dafür, ob eine Meldung für die Freunde bzw. Fans interessant gewesen ist. Aber viel wichtiger ist doch, wie oft sie tatsächlich gelesen wurde und ob sie dazu beigetragen hat, sich eine persönliche Meinung über die politische Arbeit von Kristina Schröder bilden zu können.

Diese Zahlen sind leider nicht über Facebook oder sonst auf anderen Wegen genau messbar. Und auch wenn die Anzahl von Kommentaren und "Gefällt mir" die einzigen Zahlen sind, auf die man zurückgreifen kann, greifen sie eben meiner Meinung nach viel zu kurz. Diese Zahlen - nicht die Kommentare selbst - sind allenfalls ein guter Indikator dafür, welche Themen gerade durch Personen, die gerne in Sozialen Netzwerken öffentlich kommentieren, heiß diskutiert werden.

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