Barcamp Darmstadt
Das Barcamp Darmstadt war ein unerwartetes Highlight in meinem Terminkalender. Hier ein kleines Review des spannenden Tages.
Am vergangenen Wochenende fand in Darmstadt das diesjährige Barcamp für die Rhein-Main-Region statt, welches erneut unter der Führung von Darren Cooper und seinem großartigen Team von Freiwilligen perfekt vorbereitet und durchgeführt wurde.

In den letzten Jahren war ich nun schon auf mehreren Barcamps, doch dieses war irgendwie besonders. Ich habe noch selten ein Barcamp erlebt, wo trotz nahezu perfekter Organisation der ursprüngliche charmante Charakter eines Barcamp erhalten geblieben ist. Die Atmosphäre war in meinem Augen perfekt: mit der Telekom ein würdiger Gastgeber, mehrere passende Räume in den unterschiedlichsten Größen für die Sessions, viele kleine Rückzugsorte für das persönliche Gespräch, konstante Verpflegung mit Getränken sowie Leckereien und natürlich viele bekannte, aber vor allem auch viele unbekannte Teilnehmer mit interessanten Geschichten.
Waren Barcamps für mich zu Beginn immer eine interessante Möglichkeit, mich mit anderen über Webentwicklung auszutauschen, muss ich immer mehr feststellen, dass sich nun meine Schwerpunkte ganz klar in Richtung von politischen oder gesellschaftlichen Sessions verschoben hat. Wobei es auch diesmal viele Sessions rund um diverse Web-Techniken gab. Leider liefen diese nur immer parallel zu anderen interessanten Sessions. Aber jeder, der schon einmal ein Barcamp besucht, kennt sicher die Problematik ;-)

Meine erste Session am Morgen wurde von Jan Eggers vom Hessischen Rundfunk zum Thema Datenjournalismus gehalten. Ich habe ihn bereits im Sommer bei einem Hintergrundgespräch kennengelernt und empfand ihn damals schon als eine interessante Persönlichkeit innerhalb des Hessischen Rundfunks. Seine Denkansätze unterscheiden sich deutlich von normalen Journalisten, die sich sonst im Web bewegen. Insofern war ich sehr dankbar, dass ich seinen Vortrag über Datenjournalismus, den er in ähnlicher Form schon auf dem Webmontag in Frankfurt gehalten hat, nun live erleben durfte. Abgesehen von technischen Komplikationen, die bei Barcamps eh immer dazugehören, war es spannend am Beispiel des Hessischen Landeshaushalts zu erfahren, was sich zaghaft im Hessischen Rundfunk entwickelt. In Anlehnung an offenerhaushalt.de haben sie nämlich versucht, eine vergleichbare Anwendung für den Hessischen Landeshaushalt zu erstellen. Die Motive dafür, aber auch die daraus entstandenen Chancen und Risiken waren mehr als interessant. Für mich sind solche Projekte die besten Beispiele dafür, dass OpenData in der Politik immer wichtiger wird und dass es sich für die Politik auch immer mehr lohnen kann, zumindest in Teilbereichen bei OpenData mitzumachen.
In der zweiten Session ging es direkt danach über die neuen Möglichkeiten der Kommunikation in der Kommunalpolitik unter Berücksichtigung des aktuellen Zeitungssterbens. Ich fand die Session etwas komisch, was zum Teil auch an der meiner Meinung nach ungewöhnlichen Herangehensweise mit Post-its und permanenten Umfragen lag. Bedauerlicher empfand ich es jedoch, dass die Diskussion zum eigentlich Thema nie richtig zum Laufen kam. Stattdessen hatte ich eher das Gefühl, dass es zunehmend um das Bashing von Politikern und Journalisten ging. Es war wieder einmal erkennbar, dass die Frustration bei web-affinen Wählern doch sehr hoch ist. Allerdings konnte man bei einigen Äußerungen ebenfalls den Eindruck gewinnen, dass der Dialog vielleicht nicht allein an den Politikern oder Journalisten scheitert. Um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. An einer Diskussion zum eigentlichen Thema hätte ich mich gerne beteiligt, aber so habe ich letztendlich doch lieber geschwiegen.
Nach der Mittagspause folgte dann eine Session zu OpenData in Kommunen am Beispiel von Darmstadt. Die Art der Session empfand ich im Vergleich zur vorherigen sehr entspannend, strukturiert und deswegen auch zielführend. Zwar wurde hier ebenfalls gelegentlich gegen die Politik gewettert, die Diskussion verlief aber dank einiger kompetenter Teilnehmer auf einem recht hohen Niveau. Für mich war die Session eine Bestätigung dafür, dass gerade im Bereich der Kommunen der Einsatz von OpenData schon heute sinnvoll sein kann. Die Website frankfurt-gestalten.de ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür. Den generellen Tenor, dass die Politik OpenData immer noch nicht verstanden hat und deswegen auch nicht fördert, würde ich jedoch nicht so unterschreiben. Ich würde eher vermuten, dass die wenigsten Kommunen auf absehbare Zeit einfach nicht die finanziellen sowie personellen Mittel haben, um OpenData bei sich einzuführen. Der andere Tenor, dass Politiker bei OpenData vielfach Angst um ihre Interpretationshoheit habe, würde ich jedoch bestätigen. Allerdings wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich diese Einstellungen ändert. Am Beispiel von offenerhaushalt.de sieht man sehr gut, dass sich auf Basis privater Initiativen dennoch viel erreichen lässt und dass sich dann die alleinige Interpretationsfrage nicht mehr stellt.
Die nächste Session-Runde fiel für mich aus, weil sich mit einem anderen Barcamp-Teilnehmer ein persönliches Gespräch über OpenData und Social Media in der Politik ergab.
Meine letzte Session, die ich schließlich beim Barcamp besuchte, handelte von Websites für Kinder. Zunächst ging es dabei nur um allgemeine, kindgerechte Webseiten. Doch schnell kam das Gespräch auf Lerninhalte, bei dem sich dann eine hitzige Diskussion entfachte. Hier zeigt sich dann auch ein Phänomen, welches ich schon häufiger bei Barcamps oder ähnlichen Treffen beobachten konnte: das Web 2.0 wird als Lösung für alle Probleme angesehen. So beispielsweise der Vorschlag, einfach alle Schulbücher in ein Wiki zu packen, an dem dann Eltern, Lehrer sowie Schüler gemeinsam arbeiten können und auf dessen Basis Arbeitsblätter für den Unterricht ausgedruckt werden können. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei Themen rund um die Schule eh sehr konservativ eingestellt bin. Computer in der Grundschule finde ich zwar sinnvoll, doch halte ich es erst einmal für wichtiger, dass alle Kinder handschriftliches Schreiben erlernen. Alles direkt auf einem iPad oder Smartboard zu erledigen, muss meiner Meinung nach nicht sein.

Abschließend hatte ich noch die Gelegenheit, mich ausführlich mit Darren Cooper, dem Organisator des Barcamps, zu unterhalten. Obwohl ich es nie irgendwo erwähnt hatte, hatte es sich mittlerweile irgendwie rumgesprochen, dass der "Social-Media-Berater" von Kristina Schröder auf dem Barcamp unterwegs ist. Was natürlich ein masslose Übertreibung ist. Dennoch habe ich Darren zugesagt, dass ich im kommenden Jahr entweder einen kurzen Vortrag beim Frankfurter Webmontag oder eine Session beim nächsten Barcamp zu Social Media in der Politik halten werde. Dieses Jahr war leider noch nicht die Zeit dafür reif.
Wie schon zu Beginn erzählt, war das Barcamp Darmstadt eine nahezu perfekte Veranstaltung für mich. Danke dafür! Jedes weitere Barcamp wird es nun schwer haben, diese hohe Messlatte zu erreichen.

Einen guten Eindruck vom Barcamp vermitteln übrigens die wunderbaren Bilder von Patrick Lenz, von denen ich hier im Blog-Eintrag auch zwei verwendet habe. Vielen Dank dafür.
Kommentar schreiben
Um einen Kommentar zum obigen Beitrag zu schreiben, klicken Sie auf den nachfolgenden Button. Bitte beachten Sie aber, dass alle Kommentare erst durch einen Administrator freigeschaltet werden müssen, bevor sie schließlich im Blog erscheinen.
