Noch einmal etwas zu Google
Gestern habe ich in einem Blogeintrag die Diskussionskultur bezüglich Google Street View bemängelt, heute will ich kurz mein Verhältnis zu Google und Street View erläutern.
Nico Lumma hat bei Twitter einen wunderbaren Artikel über Google Street View verlinkt. Der Text ist wahrscheinlich einer der besten, den ich zu diesem Thema gelesen habe. Auch wenn er ganz klar pro Google Street View ist.
Nachdem ich gestern noch die Diskussionskultur rund um das Thema bemängelt habe, hat mich der gelesene Artikel nun auch etwas nachdenklich gemacht, so dass ich mein persönliches Verhältnis zu Google und insbesondere zu Google Street View noch einmal darstellen will.
Auch ich mag Google, vielleicht liebe ich es sogar ebenfalls. Google ist der Innovationsmotor schlechthin im Internet. Das Internet, so wir es heute kennen, wäre ohne Google nicht möglich. Und alle Anstrengungen von Google münden in großartige, überwiegend kostenlose Produkte im Internet.
Als Suchmaschine gibt es momentan für mich keine nennenswerte Alternative. Suchen im Internet ist für mich Google. Auch über die Karten und Satellitenbilder von Google Maps kann ich mich heute noch begeistern. Schon als Kind habe ich es geliebt, in einem Atlas zu stöbern.
Google Analytics setzen ich auf Kundenwunsch beruflich gerne zur Analyse der Seitenaufrufe einer Website ein, privat nutze ich jedoch lieber eine kleine kompakte Lösung. Auch auf Google Webmasters und Google Merchant Center greife ich gerne zu, sofern es meine Arbeit erfordert.
Alle anderen Dienste nutze ich nicht. Diese sind zwar auch hervorragend, aber es gibt für mich ausreichend Alternativen. Auch wenn Googles Dienste sogar kostenlos sind und ich für meine Alternative teilweise sogar bezahlen muss, überwiegt bei mir das Gefühl, dass ich eine gewisse Datenhoheit haben will. Ich kann zwar nicht ausschließen, dass auch hier oder da meine Daten aus unterschiedlichsten Gründen analysiert werden, aber wenigstens geschieht dies nicht zentral bei einem Anbieter.
Statt Google Mail nutze ich beispielsweise einen eigenen Mailserver, auf den ich per IMAP und mit Apple Mail von meinem iMac, Macbook, iPad oder iPhone zugreife. Die Synchronisation funktioniert bestens, auf dem iMac werden alle E-Mails archiviert und die dortige Suchfunktion ist für mich völlig ausreichend. Als Alternative zu Google Reader verwende ich fever, was auf dem eigenen Server installiert ist. Auf die soziale Komponente von Google Reader kann ich verzichten, dafür habe ich Twitter.
Auch wenn ich einige Dienste von Google nicht nutze möchte, habe ich ihnen gegenüber eine gewisse Wertschätzung und ich kann dennoch nachvollziehen, dass sie von vielen anderen Anwendern im Gegensatz zu mir genutzt werden. Jeder hat eben unterschiedliche Interessen oder auch Möglichkeiten. Ich unterstelle sogar vielen, dass sie verstanden habe, dass sie die kostenlosen Dienste eben nicht mit Geld sondern mit ihrer Identität und Inhalten bezahlen. Solange sich alle darüber im klaren ist, finde ich auch nichts schlimmes daran. Jeder kann selbst entscheiden, bis zu welchen Grad er mitmachen will. Dies gilt übrigens nicht nur für Google, sondern für viele andere Angebote im WWW ebenfalls.
Bei Google Street View sehe ich den Sachverhalt etwas anders. Hier kann jeder als Teil der Öffentlichkeit auch Bestandteil von Google Street View werden. Und zwar automatisch und ungefragt. Gesichter werden zwar verpixelt, jedoch gibt es oft auch unangenehme Lücken. Und ich wage mal zu behaupten, dass, wenn man ein bestimmtes Umfeld gut kennt, man auch an der Körperhaltung einzelne Personen wiedererkennen kann.
Hatte ich aber oben nicht gesagt, dass ich Google Maps liebe und ist Street View nicht nur eine einfache Erweiterung davon? Stimmt. Aber bei dem normalen Kartenmaterial erkenne ich nur die grobe Struktur der Umgebung. Ein Quadratmeter der Wirklichkeit sind nur wenige Pixel auf dem Bildschirm. Bei Google Street View geht mir der Detailgrad einen Schritt zu weit.
Mit allen Punkten, die ich eben als störend benannt habe, kann ich mich momentan noch irgendwie abfinden und meinetwegen auch als gegeben annehmen. Es erzeugt bei mir zwar ein gewisses Unwohlsein, wie viele andere Entwicklungen auch. Nur kann ich damit leben. Einen Widerspruch würde ich deswegen bei Google zur Zeit nicht einlegen, zumal dies auf Dauer auch wenig bringen wird.
Ich bin mir auch bewusst, dass es neben Google weitere Anbieter gibt, die noch genauere Straßenansichten mit teilweise sogar unverpixelten Gesichtern zeigen. Als weltweit größter zentraler Anbieter von solchen Ansichten steht aber Google für mich exemplarisch für die ganze Branche. Und der Start von Street View in Deutschland stellt einen hervorragenden Ausgangspunkt dar, mal über das ganze Thema zu diskutieren.
Denn wo wollen wir zukünftig die Grenze ziehen, was noch privat und was schon öffentlich ist? Welche gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung trägt Google beim Anzeigen und Nichtanzeigen der Bilder? Und was passiert denn, wenn die Autos von Google Street View mal täglich durch die Straßen fahren werden oder gar mit der öffentlichen Videoüberwachung kombiniert werden?
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