Die CDU MediaNight 2011 und Vint Cerf
Die vergangene Woche stand mal wieder ganz im Zeichen von Berlin. Besonderes Highlight war der Besuch der CDU MediaNight sowie ein Vortrag von Vint Cerf bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
CDU MediaNight 2011
Als regelmäßiger Besucher des Arbeitskreises Netzpolitik der CDU Deutschland kam ich dieses Jahr auch in den Genuss einer Einladung für die mittlerweile achte CDU MediaNight, nach eigenen Angaben eines der wichtigsten Medienereignisse in Berlin und darüber hinaus. Persönlich finde ich zwar die Beschreibung etwas übertrieben, aber dennoch habe ich mich sehr über die Einladung gefreut. Schließlich bedeutete dies mein erster größerer Ausflug in die Welt der politischen Abendveranstaltungen in Berlin.
Der Abend war insgesamt höchst interessant, wenn auch auf andere Art als ursprünglich gedacht. Meine konservative Adern, die ich beispielsweise erst kürzlich beim JMStVCamp wiederentdecken konnte, wurden direkt zu Beginn der Veranstaltung durch den Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann wieder in Frage gestellt. So war er in seiner, nach eigenen Aussagen "provozierenden" Eröffnungsrede sehr bemüht, einerseits ein Loblied auf die klassischen Medien abzugeben und andererseits das Internet als eine Art Sündenpfuhl zu verdammen. Vieles, wie etwa das Thema Inhalteschutz, hatte man schon öfters so oder in ähnlicher Form von ihm gehört. Für mich klang die Rede jedoch weniger provozierend als viel mehr altbackend.
Ich sehe zwar im Internet vieles auch kritischer als andere, aber dennoch sollte auch ein Staatsminister für Medien akzeptieren, dass wir alle mittlerweile im Jahr 2011 leben und das Internet ein Teil unserer Gesellschaft geworden ist. Im Gegensatz zu Herrn Neumann hat der Begriff "konservativ" für mich nichts mit dem sturen Bewahren von ehemals bewährten Konzepten zu tun.
Direkt danach fingen die drei, zeitgleich stattfindenden Panels statt. Ich hatte mich im Vorfeld für das Panel "Freiheit und Sicherheit: Wie lösen wir das Spannungsverhältnis in der digitalen Welt?" mit den jungen Wilden der konservativen Netzpolitik, Peter Tauber und Thomas Jarzombek, angemeldet. Die beiden anderen Panels handelten von der Zukunft des Qualitätsjournalismus sowie der Medienlandschaft.
Wie mir andere Besuche aus den anderen Panels bestätigten, war die inhaltliche Tiefe der drei Panels erwartungsgemäß eher seicht, was wohl auch dem insgesamt sehr inhomogenen Publikum geschuldet war. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass man bei solchen politischen Veranstaltungen selten etwas neues erfährt. Spannend finde ich dagegen zu beobachten, wie sich einzelne Podiumsteilnehmer, denen man in letzter Zeit immer wieder mal begegnet, persönlich und thematisch weiterentwickeln.
Auch wenn die inhaltliche Tiefe in dem von mir besuchten Panel etwas fehlte, fühlte ich mich in den rund 90 Minuten gut unterhalten. Meine Lieblingsaussagen der vier Podiumsteilnehmer waren u.a.:
Dr. Gunnar Bender, E-Plus Gruppe
"It's over. Jeder einzelne ist im Internet Sender und Empfänger, alle müssen denken wie ein Medienunternehmer."
Constanze Kurz, Chaos Computer Club e.V.
"Wir haben immer eine digitale Spur, die wir hinter uns herziehen. Datenskandale werden daher nie aufhören, sondern immer größer werden."
Dorothee Belz, Microsoft
"Wir ziehen alles vom falschen Ende auf. Alles wird - typisch deutsch - vorab ingenieurmäßig geplant. Besser wäre es, einfach loszulaufen und erst anschließend die Grenzen zu ziehen."
Thomas Jarzombek, CDU
"Gesetze sind notwendig. Sie müssen aber verständlicher und schneller umgesetzt werden."
Auch wenn die Aussagen es nicht auf den ersten Blick vermuten lassen, waren sich alle auf dem Podium im Grundsatz einig, was ich etwas schade gefunden habe. Gerade von Constanze Kurz hatte ich mir etwas mehr kontroverse Statements erwartet.
Falls es noch einmal eine MediaNight geben sollte, fände ich es übrigens sehr spannend, wenn die Podiumsteilnehmer den einzelnen Panels zugelost werden würden. Das Zusammentreffen von unterschiedlichen Meinungen bezüglich alte und neue Medien wäre ganz spannend zu beobachten.
Direkt im Anschluss an die Panels hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre mit Spannung erwartete Rede im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses. Man konnte der Bundeskanzlerin anmerken, dass sie an diesem Tag gut drauf war. Allerdings war ihre Rede so allgemein gehalten, dass ich im Nachhinein immer noch nicht genau einordnen kann, wo sie im Bereich Medien- und Netzpolitik genau steht. Hier hatte ich mir irgendwie etwas mehr erwartet. Auffallend war jedoch, dass im Gegensatz zur Rede vom Staatsministerin bei ihr mehr die Chancen als die Risiken im Vordergrund standen. Was ihre Rede sehr sympathisch machte.
Anschließend fand dann mit der Keynote von Philipp Schindler, Präsident Google Nord- und Zentraleuropa, das eigentliche Highlight der MediaNight statt. Seine Rede empfand ich sehr staatsmännisch und sehr darauf bedacht, mit seiner Rede die anwesende CDU förmlich zu umarmen. Das ist aus seiner Sicht sicherlich mehr als legitim. Mir wurde jedoch in diesem Moment deutlich, wie intensiv Google gerade versucht, seine Lobbyarbeit in Berlin hochzufahren. Dies war mir vorher gar nicht so bewusst gewesen.
Nach all den Reden und Panels ging die MediaNight dann dank zahlreicher Sponsoren in den gemütlichen Teil des Abends über.
Nach einigen Tagen Abstand bin ich mir immer noch nicht sicher, was ich von der MediaNight insgesamt halten soll. Der Abend war sicherlich unterhaltsam, ich konnte auch zahlreiche nette sowie informative Gespräche führen, aber was den thematischen Rahmen angeht, bin ich verunsichert. Vielleicht täusche ich mich auch, aber irgendwie ist die CDU immer noch nicht sicher, welchen Weg sie medienpolitisch in Zukunft einschlagen soll. Aus der Unsicherheit heraus sucht sie den Kontakt mit etablierten Unternehmen in den alten und neuen Medien und akzeptiert dabei, dass diese vornehmlich ihre eigene Lobbyarbeit machen. Dumm ist nur, dass das Internet sowie die sich darin bewegende Nutzer keine eigene Lobby haben. Was innerhalb der Partei fehlt, ist ein etabliertes, kompetentes und vor allem sichtbares Organ, dass die unterschiedlichen medienpolitischen Einflüsse bündelt und in eine zukunftsgerichtete Vision umwandelt.
Auch wenn es eigentlich traurig ist und es nur mit viel Humor zu ertragen ist, darf die Reportage von Extra 3 anlässlich der CDU MediaNight nicht unerwähnt bleiben:
Auch wenn es sicherlich schwierig ist, in jedem Moment immer das Richtige sagen zu müssen und man dabei immer der Gefahr unterliegt, dass Kommentare aus dem Zusammenhang gerissen werden, darf so etwas meiner Meinung nach einem Staatsminister für Medien und damit auch neue Medien nicht passieren. Manchmal ist es vielleicht besser, gar nichts zu sagen.
Vint Cerf
Neben der CDU MediaNight war auch ein Vortrag und die anschließende Diskussion mit Vint Cerf, einer der Väter des Internets, ein besonderes Erlebnis. Ich hatte mich im Vorfeld relativ spontan zu der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung angemeldet und auf Grund des schönen Wetters sogar kurz vorher noch überlegt, ob ich überhaupt hingehen soll. Aber letztendlich habe es nicht bereut. Seine Sichtweise auf die heutigen Probleme des Internet und seine favorisierten Lösungsansätze waren äußerst inspirierend und beeindruckend. Das wurde gerade am Beispiel der Cloud-Dienste deutlich.
Bislang gibt es bei Cloud-Diensten nämlich nur Bedenken wegen der Sicherheit, des Datenschutzes und teilweise auch des Eigentums. Cerf fügte aber bei der Veranstaltung einen neuen, interessanten Punkt hinzu: Einmal dort gespeicherte Daten lassen sich auf Dauer kaum wieder herausholen, geschweige denn auf andere Systeme übertragen. Dabei benutzte er die Menge von einem Petabyte als Beispiel. Möchte man diese Daten sichern oder in eine andere Cloud verschieben, muss man sie momentan über eine normale Internetverbindung runterladen, auf eigenen Festplatten zwischenspeichern und muss sie dann wieder bei einem anderen Dienst hochladen. Die Kosten dafür sind immens. Auch wenn die Preise für Internetübertragung sowie Festplatten immer weiter sinken werden, die Datenmenge in der Wolke wird stets schneller wachsen. Die Folge daraus ist, dass man für immer an einen Cloud-Dienst gebunden sein wird, sobald man sich für einen entschieden hat.
Auch wenn das alles logisch klingt, hatte ich dies noch nie so bedacht. Wie schon gesagt: ein lehrreicher Arbeit.
Übrigens: jemand wie Vint Cerf würde übrigens der CDU sehr gut tun ;-)
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