Radiergummis, das Internet und Ilse Aigner
Nachdem ich heute Abend schon mehrfach mit dem Kopf gegen die Tischplatte geschlagen bin und mich irgendwie immer noch nicht beruhigt habe, nun auch von mir ein paar Worte zum digitalen Radiergummi.
Nach Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat nun auch Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucherschutz, heute ihre Version des "digitalen Radiergummis", also einer Art Internetformat für Dateien mit Verfallsdatum, vorgestellt. Naja, genauer gesagt hat der Saarbrücker Informatiker Michael Backes seine kostenpflichtige Softwarelösung X-Pire bei einer Veranstaltung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorgestellt und Ilse Aigner hat seinen Ansatz irgendwie in die Medien gefördert.
An sich ist die Idee eines "digitalen Radiergummis" durchaus überlegenswert. Jedoch müsste eigentlich auch jedem, der nur ein wenig Ahnung von Computern hat, sofort klar sein, dass die Überlegung nie Realität werden kann. Und wenn man sich die vorgeschlagene Softwarelösung genauer anschaut, dann erst recht nicht. Wer wird sich schon freiwllig ein kostenpflichtiges Plugin im Browser installieren, was neben zusätzlichen Kosten nur Nachteile bringt? Zumal einfache Screenshots weiterhin nicht zu verhinden sind.
Aber der Vorschlag ist es gar nicht, der mir so weh tut. Ich bin sogar froh, wenn man stets über Datenschutz im Allgemeinen und insbesondere im Internet nachdenkt. Das ständige Überprüfen der bestehenden Gesetzeslage schadet nie und wahrscheinlich gibt es auch an einigen Stellen einen tatsächlichen Optimierungsbedarf, der aber nicht unbedingt in neue Gesetze münden muss. Selbst gesellschaftliche Aufklärung verbunden mit einer intensiven, sachlichen Diskussion kann schon viel bringen. Vielleicht findet man sogar weltweite Standards im Datenschutz. Alles ist möglich. Auch das Denken in alle Richtungen halte ich für legitim, selbst wenn sie sich früher oder später als Sackgassen herausstellen.
Was mich wirklich ärgert ist die Tatsache, dass Ilse Aigner beim Thema Internet immer wieder eindrucksvoll zeigt, dass sie überhaupt keine Ahnung hat. Schlimmer: sie hat keine Ahnung und geht es dennoch offensiv an. Mir ist auch völlig unerklärlich, warum niemand aus ihrem engeren Umfeld oder meinetwegen auch aus dem Ministerium ihr die Sachverhalte besser aufbereitet. Klar, es kann in der Politik immer mal einen Fehlschuss geben. Das kann passieren und irgendwie gehört es wahrscheinlich auch zum Leben eines Politikers dazu. Aber doch nicht immer wieder im gleichen Themenkomplex? Mir ist das wirklich unerklärlich und es frustriert mich wahnsinnig. Und ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, ob der fehlende Sachverstand im Bereich Internet nicht auch in anderen Bereichen vorliegt.
Weitere Informationen zum Thema
- heise online, Verbraucherschutzministerin will Verfallsdaten für Bilder durchsetzen
- Spiegel Online, Warum der Radiergummi fürs Web versagen muss
- Nico Lumma, Auch in 2011: digitale Hilflosigkeit
Kommentar schreiben
Um einen Kommentar zum obigen Beitrag zu schreiben, klicken Sie auf den nachfolgenden Button. Bitte beachten Sie aber, dass alle Kommentare erst durch einen Administrator freigeschaltet werden müssen, bevor sie schließlich im Blog erscheinen.
