Publikationen - Der Weg zum eigenen Weblog

Autor: Sven Przepiorka
Veröffentlichung: 01.11.2004

Weblogs entwickeln sich immer mehr zu einem Trend im Internet. Doch was versteht man eigentlich unter Weblogs? Der folgende Beitrag soll Ihnen zunächst den Begriff anhand eines Beispiels kurz erläutern. Anschließend werden die Unterschiede zu konventionellen Content-Management-Systemen dargestellt und die neuen Innovationen beim Publizieren im Internet, die vor allem durch die Einführung von Weblog-Systeme entstanden sind, skizziert. Am Ende werden schließlich die möglichen Wege zu einem eigenen Weblog zusammengefasst.

Motivation

Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Internet zu einem wichtigen Bestandteil der modernen Gesellschaft entwickelt. So nutzen beispielsweise Millionen von Menschen die Vorteile des WorldWideWebs (WWW), indem sie sich schnell und unkompliziert über aktuelle Themen informieren. Das Lesen von Informationen aus dem WWW ist ein einfacher und häufig ausgeführter Vorgang geworden. Das Veröffentlichen von eigenen Informationen im WWW ist dagegen deutlich schwieriger. Mit den Hilfsmitteln Texteditor, HTML-Buch und FTP-Programmen ist es für jeden Anfänger sehr schwer, Ergebnisse zu erzielen, die den Aufwand auch rechtfertigen. Wer jemals selbst Webseiten erstellt hat, weiß, wie schnell die eigenen Grenzen des Editierens erreicht sein können. Moderne WYSIWYG-Editoren (WhatYouSeeIsWhatYouGet) wie beispielsweise MS Frontpage können zwar dem Entwickler einen Großteil der Arbeit abnehmen, doch leider stellen diese nur bis zu einem gewissen Daten- und Informationsumfang eine Hilfe dar. Jenseits dieser Grenze werden dann mächtige Web-Content-Management-Systeme (WCMS) eingesetzt, die nach einer längeren Einarbeitungszeit den Verwaltungsaufwand für Webseiten massiv reduzieren können. Diese Systeme sind jedoch sehr teuer und werden daher auch nur von größeren Unternehmen eingesetzt. Neben den klassischen WCMS hat sich jedoch auch eine neue, moderne Form des Publizierens im Internet entwickelt: die Weblogs.

Was ist ein Weblog?

Die Definitionsversuche für den Begriff Weblog gehen teilweise recht weit auseinander. Nahezu jeder Betreiber eines Weblogs, der umgangssprachlich auch Blogger genannt wird, definiert den Begriff anders. Als wesentlichste Gemeinsamkeit lässt sich nur festhalten, dass es sich bei Weblogs um Webseiten handelt, auf denen Informationen in chronologischer Form aufgelistet werden, die hohe Linkdichte besitzen und meist durch die Leser kommentierbar sind. Dem Inhalt sind dabei keine Grenzen gesetzt - außer durch die persönlichen Fähigkeiten des Bloggers. In den meisten Fällen bestehen Weblogs aus stets aktuellen Beiträgen, die eher persönliche Meinungen als neutrale, sachliche Informationen wiedergeben. Thematisch findet sich in Weblogs eine beachtliche Streubreite. Diese reicht von einfachen Linksammlungen, die das Surfverhalten des Autors dokumentieren, über sehr fachspezifische Beiträge bis hin zu persönlichen Tagebüchern.

Dem Inhalt sind keine Grenzen gesetzt - außer
durch die persönlichen Fähigkeiten des Bloggers.

Das klassische Einsatzgebiet von Weblogs ist das Protokollieren des eigenen Surfverhaltens. Bei einem solchen Weblog schreibt beispielsweise ein Liebhaber von alten Büchern über die Websites, die ihm beim täglichen Surfen auffallen, weil sie gute Hinweise bezüglich dieses Themas beinhalten. Die Blogger finden somit interessante Links, kommentieren diese und sammeln sie schließlich in einer chronologischen Liste. Dadurch wird das Weblog zu einer Art "persönlicher Filter" für ein spezielles Thema. Um das Publizieren zu erleichtern, werden häufig spezielle Content-Management-Systeme eingesetzt.

Weblog-Systeme

Weblog-Systeme sind kostengünstige und schnell erlernbare Softwarelösungen, die das Erstellen und Pflegen von Informationen im WWW so stark vereinfachen, dass jeder mit wenigen Kenntnissen und in wenigen Minuten eigene Webseiten erzeugen kann. Die Einfachheit wird u. a. dadurch erreicht, dass sie die jeweiligen Vorteile von professionellen WCMS und dem Editieren von Webseiten per Hand miteinander verbinden. Dies stellt im Grunde genommen eine logische Weiterentwicklung von professionellen WCMS dar, um diese auch im privaten und semi-professionellen Bereich einsetzen zu können.

Ein Weblog-System ist kein vollständiges WCMS. Beide haben weit gehend unterschiedliche Anwendungsbereiche mit nur einer kleinen Schnittmenge. WCMS bestehen aus zahlreichen Features und beschäftigen sich mehr mit dem Management einer Website als mit deren Inhalten. Weblog-Systeme sind dagegen sehr einfach strukturiert. Im Mittelpunkt der Software steht immer das Vorhaben, Inhalte möglichst einfach zu veröffentlichen. Daher stellt die Entwicklung eines Weblog-Systems immer den Versuch dar, die kleinste Menge von Funktionen zu finden, die nötig ist, um auf Basis des WWW ein brauchbares Publishing Tool zu bilden.

Ein Weblog-System stellt immer die den Versuch dar,
die kleinste Menge von Funktionen zu finden, um
ein brauchbares Publishing Tool bilden zu können.

Im Gegensatz zu den mächtigen WCMS beschränken sich Weblog-Systeme in den meisten Fällen nur auf elementare Gestaltungselemente wie beispielsweise Texte und Bilder. Mit dieser Reduzierung auf das Wesentliche haben Weblog-Systeme in der Regel einen sehr starren Funktionsumfang und sind immer sehr ähnlich aufgebaut: Jeder registrierte Benutzer kann direkt mit Hilfe eines Browsers für bestimmte Themengebiete neue Inhalte verfassen. Diese werden auf der Startseite des jeweiligen Themas verlinkt und können optional von anderen Usern kommentiert bzw. bewertet werden.

Da bei den meisten Weblog-Systemen der Inhalt in einer Datenbank abgespeichert wird, ist eine Trennung von Inhalt und Layout zwangsläufig vorgegeben und erleichtert den flexiblen Einsatz dieser Daten in unterschiedlichen Systemen und Darstellungsformen. Die Generierung von gültigem HTML-Code für die Anzeige im Browser erfolgt mittels einfacher Vorlagen, meist Templates genannt, die durch den Benutzer zu jedem Zeitpunkt anpassbar sind. Zur Formatierung des Textes stehen nur die herkömmlichen HTML-Tags zur Verfügung.

Neue Technologien

In diesem Abschnitt werden die neuen Technologien skizziert, die durch Weblogs in das Internet eingeführt wurden. Dazu gehören beispielsweise das Bereitstellen von RSS-Feeds und das Versenden von Pings und Trackbacks.

Nahezu alle Blogs bieten mittlerweile einen so genannten RSS-Feed an, der automatisch durch das Weblog erzeugt wird. Er beinhaltet in der Regel die letzten Artikel aus dem Weblog und verknüpft diese mit dem jeweiligen Link zur permanenten Webseite des Beitrages und dem Datum der Veröffentlichung. RSS steht für Really Simple Syndication und erlaubt durch ein standardisiertes Format das einfache Austauschen von Daten. So können u. a. RSS-Feeds durch entsprechende Tools leicht in eigene Weblogs integriert werden, um so beispielsweise die eigene Aktualität durch die Artikelüberschriften anderer Blogs oder News-Webseiten zu erhöhen. RSS-Feeds ermöglichen zudem auch, dass mit Hilfe von RSS-Aggregatoren ein Leser die Artikel von zahlreichen Weblogs in einem Schritt auf seinen eigenen Desktop-Computer laden kann und diese dann unabhängig von der eigentlichen Webseite lesen kann. Neben der eigentlichen Webseite entsteht so ein zusätzlicher Vertriebskanal für die Beiträge eines Weblogs.

Das Versenden eines Pings ist eine weitere, neue Technologie, die für das Bekanntmachen eines Weblogs genutzt wird. Im Gegensatz zu normalen privaten Homepages geht es dabei nicht darum, bei Suchmaschinen oder Katalogen möglichst gut gelistet zu sein. Viel mehr wird beim Speichern eines neuen Weblog-Beitrages automatisch ein Ping an Dienste wie blo.gs (http://www.blo.gs) oder blogg.de (http://www.blogg.de) gesendet, wo dann eine chronologische Liste mit den Veröffentlichungsterminen aller teilnehmenden Weblogs geführt wird. Dadurch erhält jeder Leser einen schnellen Überblick, welche Artikel gerade in der Weblog-Szene veröffentlicht worden sind. Die Idee des Anpingens kann durch Trackbacks noch einen Schritt weiter geführt werden. Die Idee hinter Trackback ist, dass der Leser meistens nicht nur in einem fremden Weblog einen Artikel kommentieren will, sondern auch selber im eigenen Weblog etwas über diesen Artikel oder das Thema schreiben möchte. In einer solchen Situation hat er per Trackback nun die Möglichkeit, einen Ping an ein anderes Weblog zu senden, in dem der Bezug zu einem Artikel mitgeteilt wird. Auf der Seite des fremden Beitrages wird dann sofort ein entsprechender Link angezeigt, durch den der Leser eines Weblogs schließlich den gesamten Diskussionsverlauf zum Artikel über die Grenzen einzelner Weblogs verfolgen kann. Trackbacks sind somit eine ausführlichere Form der herkömmlichen Kommentare.

Erste Schritte

Beim Einrichten eines eigenen Weblogs gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann entweder bei einem so genannten Weblog-Hoster ein vorinstalliertes System nutzen oder man kann auf seinem eigenen Webserver ein Weblog-System individuell einrichten.

Für den interessierten Laien ist das Einrichten eines Weblogs bei einem entsprechenden Hoster der einfachste Weg. Da kein eigener Server benötigt wird und da das Weblog-System bereits vom Anbieter vorinstalliert ist, ist auch kein technisches Hintergrundwissen notwendig und der Weblog-Anfänger kann nach einer kurzen Anmeldung direkt anfangen, Beiträge ins eigene Weblog zu schreiben. Nachteilig an Weblog-Hostern sind jedoch die fehlenden Möglichkeiten wie beispielsweise das Sichern der eigenen Daten, das individuelle Erweitern des Systems und das Einfügen in eine bestehende Website. Die Registrierung, die bei den meisten Anbietern beim Schreiben von Kommentaren erforderlich ist, bewirkt zudem, dass diese meist eine geschlossene Community innerhalb der Weblog-Szene darstellen. Ein weiterer Nachteil ist, dass bei einem Weblog-Hoster das eigene Weblog meist nur über eine Subdomain oder ein Unterverzeichnis des Anbieters aufrufbar ist. Individuelle Domains sind in der Regel nicht möglich.

Bekannte Vertreter von Weblog-Hostern im deutschsprachigem Raum sind beispielsweise die private Initiative blogger.de von Dirk Olbertz und das kommerzielle Angebot twoday.net von der österreichischen Agentur knallgrau. Die Nutzung von blogger.de ist momentan kostenlos. Bei twoday.net gibt es dagegen nur eine kostenlose, abgespeckte Variante mit Werbebannern. Möchte der Blogger den vollen Funktionsumfang nutzen, so wird eine monatliche Gebühr fällig.

Das Veröffentlichen von neuen Beiträgen ist bei beiden Anbietern sehr rudimentär. Durch den Benutzer können nur der Titel, der eigentliche Text und eine Kategorie festgelegt werden. Eine Trennung des Textes in eine Einleitung und einen Hauptteil ist genauso wenig möglich wie das zeitgesteuertes Veröffentlichen von Beiträgen. Zu den weiteren Features gehören eine Kalenderfunktion, ein Umfrage-System und ein Imagepool zum Laden von neuen Bildern. Zudem können auf jeder Webseite und für das gesamte Weblog die Referer automatisch angezeigt werden.

Möchte man sein Weblog stärker individualisieren, eine eigene Domain benutzen oder möchte man die Liste der benutzten Feature erweitern, so bietet sich der Einsatz eines Weblog-Systems auf dem eigenen Server an. Im Gegensatz zu den Hostern hat der Weblog-Betreiber dann von der Installation bis zur Benutzung die vollständige Kontrolle über sämtliche Elemente des Systems. Da die meisten Systeme zudem kostenlos im Internet erhältlich sind, treten neben den Kosten für den Server keine weiteren Kosten auf.

Bekannte Weblog-Systeme sind beispielsweise Sunlog und Wordpress. Beide Systeme basieren auf der Skriptsprache PHP und der Datenbank mySQL und sind in wenigen Schritten auf dem Server installiert. Dabei lassen sich fast alle Einstellungen über das jeweilige System direkt vornehmen und so wird dem Anwender das Editieren an system-kritischen Konfigurationsdateien erspart. Selbst unsichere Anwender, die keine PHP-Kenntnisse besitzen, können alle Systeme in wenigen Minuten installieren. Sunlog bietet sogar den Vorteil, dass die Entwickler aus dem deutschsprachigem Raum stammen und dass dadurch eine Kontaktaufnahme bei Problemen sehr vereinfacht wird.

Selbst unsichere Anwender können
Weblog-Systeme in wenigen Minuten installieren.

Neben den Features, die man von Weblog-Hostern gewöhnt ist, bieten Weblog-Systeme meist noch die Möglichkeit, das System um neue Module zu erweitern und die Übernahme von Daten aus anderen Systemen durch entsprechende Tools zu erleichtern. Auf Grund der ausgeprägten Benutzung von Templates und auf Grund der besseren Kontrolle der Systeme lassen sie sich zudem besser in bestehende Webseiten einbinden.

Fazit

Sowohl Weblog-Hoster als auch Weblog-Systeme sind natürlich kein vollwertiger Ersatz für die komplexen WCMS, die üblicherweise in Redaktionen eingesetzt werden. Aber sie bieten eine gute Möglichkeit, schnell und ohne großen Aufwand eigene Informationen im Internet zu veröffentlichen. Gerade im Bereich der Kommunikation mit dem Besucher einer Webseite sind momentan sogar die modernen Weblog-Systeme durch ihre neu eingesetzten Technologien wie beispielsweise den RSS-Feeds und Trackback den etablierten WCMS überlegen.

Hinweis

Dieser Beitrag wurde zuerst im Magazin des Deutschen Fachjournalisten Verbandes veröffentlicht. Das Magazin wird ausschließlich an Mitglieder versendet. Jedoch kann der Beitrag dort als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
Fachjournalist, Nr. 15 (2004), S. 24 - 27

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