Publikationen - Nachteile von Weblogs
Autor: Sven Przepiorka
Veröffentlichung: 17.02.2003
Letzte Änderung: 17.02.2003
Trotz der zahlreichen Vorteile von Weblogs gibt es auch einige Nachteile, deren sich die Betreiber von solchen Webseiten bewusst sein sollten. Bedauerlicherweise beschäftigen sich jedoch nur sehr wenige Blogger mit den möglichen Risiken.
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Weblogs sind eine gläserne Visitenkarte
Die wesentlichste Eigenschaft eines Weblogs ist, dass deren Betreiber in den veröffentlichten Texte ihre persönlichen Meinungen zu unterschiedlichsten Themenkomplexen äußern. Mit Hilfe von Suchmaschinen ist jedem Internet-Nutzer zu jeder Zeit möglich, diese Meinungen zu finden und dadurch ein Profiling durchzuführen, also ein persönliches Profil des jeweiligen Bloggers zu erstellen. Selbst wenn nachträglich einzelne Aussagen gelöscht werden, besteht über die Archivfunktionen von Suchmaschinen weiterhin die Möglichkeit, diese zu finden und zu lesen. Bei weiterer Verbreitung von Weblogs besteht bei Bewerbungs-gesprächen und Beförderungen die Gefahr, dass diese Informationen durch den Arbeitgeber genutzt werden. -
Weblogs machen süchtig
Am Anfang schreiben Blogger meist nur unrecherchierte Beiträge in ihr Weblog bzw. dokumentieren ihr normales Surfverhalten. Schon nach kurzer Zeit stellen sie jedoch fest, dass immer mehr fremde Internet-Nutzer die eigenen Texte lesen. Aufgrund dieser steigenden Besuchsstatistiken und dem damit verbundenen persönlichen Erfolgserlebnis entwickelt sich bei einigen Weblog-Betreibern eine Art Zwang, diese (un)regelmäßigen Besucher immer häufiger mit noch besseren Texten zu versorgen. Am Ende dieser Entwicklung wird das Weblog nicht mehr als persönliches Tagebuch angesehen, sondern eher als Bestätigung, die eventuell im realen Leben vermisst wird.
Auch für gewöhnliche Internet-Nutzer kann es unter Umständen ebenfalls nachteilig sein, wenn sie Weblogs besuchen und die dort veröffentlichten Informationen lesen.
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Weblogs produzieren geistigen Müll
Je einfacher das Veröffentlichen von Informationen ist, desto niedriger ist auch die Hemmschwelle, "geistigen Müll" im Internet zu veröffentlichen. Durch die einfach bedienbaren Weblog-Systeme ist es einer stark wachsende Anzahl von "recht einfach gestrickten Gemütern" möglich, Weblogs für die Verbreitung ihres "geistigen Mülls" zu missbrauchen. Die bedauerliche Folge ist, dass sich zahlreiche Weblogs wie Tagebücher lesen, die man als Kind geschrieben hat. Aufgrund der Tatsache, dass in den meisten Weblogs jeder Beitrag durch den Leser kommentiert werden kann, besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass ein Weblog auf Dauer vermüllt wird. Für den Leser von Weblogs wird es somit immer schwieriger, zwischen guten und schlechten Webseiten zu unterscheiden. -
Weblogs haben keine Inhalte
In den meisten Fällen haben Weblogs keine eigenen Inhalte, die man im engeren Sinne als Nachrichten verstehen könnte. Anstatt dessen bestehen sie nur aus sehr persönlichen Kommentaren oder aus Links auf andere Webseiten, auf denen erst dann der eigentliche Inhalt zu finden ist. Für den gewöhnlichen Internet-Nutzer kann dadurch der Nachteil entstehen, dass er bei der Suche nach einem bestimmten Inhalt erst über erhebliche Umwege zum gewünschten Ziel kommt.
Neben dem Betreiber und den Lesern eines Weblogs gibt es auch Nachteile für Unternehmen, wenn sie beispielsweise durch ein Weblog zitiert werden bzw. wenn eigene Mitarbeiter ein Weblog betreiben. Obwohl immer intensiver in den Medien über das Weblog-Phänomen berichtet wird, sind sich erst wenige Arbeitgeber der möglichen Risiken bewusst.
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Weblogs verletzen das Urheberrecht
In Weblogs ist es oft üblich, fremde Webseiten zu zitieren und durch dazugehörige Links die eigenen Textbeiträge aufzuwerten. Doch gerade Unternehmen aus der Medienwelt, die auch im Internet eigene Webseiten betreiben, befürchten, dass durch das Zitieren bzw. Verlinken ihr Urheberrecht an ihren Texten verletzt wird. Diese Ängste gibt es zwar schon seit Anfang des Internets, doch erst durch die entsprechenden Weblog-Systeme ist es nun für jeden Internet-Nutzer sehr einfach geworden, Informationen im Internet zu veröffentlichen. Die Hemmschwelle, fremde Inhalte für die eigene Webseite zu verwenden, wurde dadurch erheblich niedriger. -
Weblogs schaden dem Image
In den meisten Fällen beziehen sich Blogger in ihren Texten gerne auf andere Weblogs, so dass sie dadurch stark untereinander verlinkt sind. Zudem werden Weblogs häufig durch deren Betreiber aktualisiert. Beide Charakteristiken sind jedoch wichtige Kriterien für Suchmaschinen, wie beispielsweise Google, um eine Rangliste innerhalb der Suchergebnisse zu erstellen. Dadurch kann es passieren, dass bei der Suche nach einem Unternehmen eine kritische Äußerung aus einem Weblog vor der eigentlichen Unternehmenswebseite gelistet wird. Zudem gibt es noch einen anderen Grund, warum Weblogs dem Image eines Unternehmens schaden können: Im Laufe der Zeit haben sich die einzelnen Blogger zu einer starken Community entwickelt, die gemeinsam eine große Aufmerksamkeit erreichen kann. So wurde beispielsweise der bekannte Blogger Jörg Kantel vom Suhrkamp Verlag abgemahnt, weil er in seinem Weblog einen externen Link auf eine PDF-Datei des neuen Walser-Buches veröffentlicht hat. Auf zahlreichen Webseiten wurde dieses Thema diskutiert und schließlich zu Boykotten aufgerufen. Aufgrund dieser negativen Stimmung, die am Ende bis in seriösen Online-Magazine und Tageszeitungen hineinreichte, entschloß sich der Suhrkamp Verlag schließlich, die Abmahnung zurückzuziehen. -
Weblogs verraten Firmengeheimnisse
Zur Zeit werden Weblogs von den meisten Bloggern als privates Tagebuch genutzt. Persönliche Meinungen und Gedankengänge zu Alltags-Situationen werden dort niedergeschrieben und sind für jeden Internet-Nutzer zugänglich. Doch genau diese Offenheit kann für einige Unternehmen problematisch sein. Sie müssen befürchten, dass durch das öffentliche Beschreiben von Tagesabläufen und -geschehnissen des Bloggers, Betriebsgeheimnisse verraten und Kollegen gemobbt werden können. So wurde beispielsweise die Betreiberin vom Weblog Bluepixel im Oktober 2002 von ihrem Arbeitgeber abgemahnt, weil sie angeblich durch ihr Weblog gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen hat. Die Betreiberin Simone Grübling bestreitet jedoch, jemals Namen und firmen-interne Informationen im Internet veröffentlicht zu haben. Mittlerweile beschäftigt sich ein Gericht mit diesem Fall, dessen Ausgang noch völlig unklar ist. Abgesehen von diesem speziellem Fall besteht natürlich tatsächlich die Gefahr, dass ein Arbeitnehmer in seinem öffentlich zugänglichem Tagebuch firmen-interne Informationen ausplaudert.
Alle oben genannten Nachteile können zwar beim Betreiben eines Weblogs möglicherweise auftreten, doch durch einen ständigen verantwortungsbewussten Umgang durch den Blogger lassen sich die Gefahren erheblich verringern. Daher sollten Unternehmen sowohl das Verlinken auf die Unternehmens-Webeite als auch Weblogs von Mitarbeitern nicht grundsätzlich verbieten, sondern eher an die Vernunft und die Veranwortung eines jeden einzelnen Bloggers appellieren.
